Kundeninformation zur Griechenland-Krise

Auswirkungen, Kartenakzeptanz, Scheck-Abwicklung...

01.07.2015 - Angesichts der anhaltenden Staatsschuldenkrise in einigen europäischen Ländern und insbesondere der drohenden Staatsinsolvenz Griechenlands stellen sich für viele Bankkunden grundsätzliche Fragen.

Welche Auswirkungen gibt es auf den Euro? Ändert sich etwas im Umgang mit den Finanzen? Wie sicher ist mein Geld? Mit dieser Kurzinformation erhalten Sie hierzu Antworten des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und der DZ BANK AG.

Was ist passiert?

Griechenland hat derzeit große Schwierigkeiten, seine Verpflichtungen als Schuldner zu erfüllen. Nachdem Ende Juni eine ausstehende Zahlung an den Internationalen Währungsfonds nicht geleistet wurde, steht Griechenland am Rande einer Staatsinsolvenz. Noch ist unsicher, ob Griechenland weiter Teil des Euroraums bleiben kann oder den Euroraum verlassen wird (Grexit). Die mangelnde Bereitschaft der amtierenden Regierung Griechenlands, ausreichende Reformen zur Modernisierung des griechischen Staatswesens und zur Erhöhung seiner Wettbewerbsfähigkeit vorzunehmen, wirken sich vor allen Dingen verheerend auf die dortige Wirtschaft aus. Bereits in den vergangenen Monaten hat die erhöhte Unsicherheit über die Zukunft des Landes zu einem erneuten Abrutschen Griechenlands in die Rezession geführt, nachdem sich Ende 2014 noch ein Durchschreiten der wirtschaftlichen Talsohle abgezeichnet hatte.

Welche Auswirkungen gibt es auf den Euro?

Die europäische Währung bleibt stabil. Griechenland bleibt ein Sonderfall; Ansteckungsgefahren auf andere Länder sind gering. Die Reformprogramme in Portugal, Irland und Spanien zeigen Erfolge. Der Anteil Griechenlands an der Wirtschaftsleistung des Euroraums liegt lediglich bei knapp zwei Prozent.

Ist mein Geld nicht mehr sicher?

Deutsche Sparer brauchen sich keine Sorgen um ihre Spareinlagen zu machen. In Deutschland stehen die nationalen Sicherungssysteme unverändert für die ihnen anvertrauten Einlagen ein. Sie erfüllen umfangreiche gesetzliche und EU-weit harmonisierte Anforderungen. Das Einlagensicherungssystem des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, dem Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken, Kirchenbanken oder andere Genossenschaftsbanken angeschlossen sind, funktioniert wie folgt:

Ein sogenannter Institutsschutz ist der Einlagensicherung vorgelagert. Drohende wirtschaftliche Schwierigkeiten bei den angeschlossenen Instituten werden abgewendet oder behoben, dies gewährleistet einen umfassenden Schutz der Kundeneinlagen. So hat in den vergangenen acht Jahrzehnten kein Kunde seine Einlagen verloren. Geschützt sind sämtliche Einlagen, also Spareinlagen, Sparbücher, Sparbriefe, Termineinlagen, Festgelder und Sichteinlagen auf Girokonten von Privatpersonen und Unternehmen. Auch hauseigene Inhaber- und Namensschuldverschreibungen der Genossenschaftsbanken fallen in den Schutzumfang.

EUR-Scheck-Abwicklung ausgesetzt

Auf Grund von Störungen im Zahlungsverkehr mit griechischen Banken sind wir von unserer Korrespondenzbank informiert worden, dass die Abwicklung von EURO Exportschecks bis einschließlich 06. Juli 2015 ausgesetzt ist.

Bis dahin können uns innerhalb diesen Zeitraums eingereichte Schecks nicht verarbeitet werden.

Deutsche Karteninhaber fahren nach Griechenland - was beachten?

Die Verschärfung der Griechenland-Krise kommt innerhalb der Hauptferienzeit und damit sind auch deutsche Urlauber in Griechenland betroffen. Das gilt sowohl für den Einsatz aller Karten im Handel als auch an den Geldautomaten. Offiziell sollten Verfügungen ausländischer Kunden an griechischen Geldautomaten kein Problem sein. Abhängig von der konkreten weiteren Entwicklung kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Euro-Bestände an den Geldautomaten knapp werden. Es könnte auch das Szenario eintreten, dass Händler generell keine Karten mehr akzeptieren oder Karten nur noch eingeschränkt oder an ausgewählten Lokationen annehmen, da sie selbst dringend auf Bargeldbestände angewiesen sind.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das verfügbare Euro-Bargeld in Griechenland knapp wird. Deshalb können wir Kunden nur empfehlen, ausreichend Euro-Bargeld mitzuführen, um den Urlaub im Zweifel auch ohne Karteneinsatz zu überbrücken. Hierbei sollte auf eine ausreichend kleine Stückelung geachtet werden, da ggf. ein Geldwechsel nur eingeschränkt möglich sein wird.

Zahlungsverkehr mit Griechenland

Wir empfehlen Ihnen sich ggf. mit dem Zahlungsempfänger abzustimmen da nicht sicher gestellt werden kann, dass das Geld ankommt bzw. darüber verfügt werden kann.

Griechische Kunden in Deutschland

Sofern griechische Kunden mit Karten griechischer Banken an deutschen Geldautomaten Bargeld oder im Handel Waren und Dienstleistungen beziehen wollen, garantieren die Kartengesellschaften die Einlösung entsprechender Forderungen, die auf einer regelkonformen Abwicklung (inkl. Autorisierung) basieren. Wir gehen allerdings davon aus, dass in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung die Kartengesellschaften den Einsatz der griechischen Karten einschränken oder ganz unterbinden werden. Mit der CardProcess arbeiten wir ein von den Kartengesellschaften unabhängiges Vorgehen aus.

Wir bedauern diese Entwicklung außerordentlich und werden Sie gerne über aktuelle Maßnahmen und das weitere Vorgehen informieren.

Ist meine Altersvorsorge gesichert?

Die private Altersvorsorge sollte auf ein breit gestreutes Anlagespektrum aufbauen. Haben Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen, so gilt ohnehin per Gesetz, dass die eingezahlten Beträge zum Beginn der Auszahlungsphase garantiert sind. Auch die Leistungen der gesetzlichen Rente in Deutschland bleiben von der griechischen Staatsschuldenkrise unberührt.

Soll ich jetzt meine Wertpapiere verkaufen?

Die weitere Börsenentwicklung kann niemand voraussehen. Aber in Panik zu verkaufen, ist selten ein guter Rat. Erfahrungsgemäß beruhigen sich die Börsen auch nach einiger Zeit. Anlageentscheidungen sollten mit Bedacht getroffen werden.

Worauf sollten sich Urlauber in Griechenland einstellen?

Aufgrund der aktuell von der griechischen Regierung ausgesprochenen Kapitalverkehrskontrollen in dem Land kommt es dort zu Engpässen zum Beispiel bei Bargeldauszahlungen. Das Auswärtige Amt informiert die Bundesbürger auf der Internetseite www.auswaertiges-amt.de mit Blick auf ihren Urlaub in Griechenland und spricht Empfehlungen beispielsweise zur Wahl der Zahlungsmittel aus. Es rät dazu, „sich vor der Reise mit ausreichend Bargeld zu versorgen“.

Lassen sie sich bei Anlageentscheidungen beraten!

Aus Sicht der genossenschaftlichen FinanzGruppe sollten Anlageentscheidungen auch in Zeiten stärkerer Kursbewegungen an den Finanzmärkten wohlüberlegt getroffen werden. Dazu ist es sehr ratsam, ein umfängliches Beratungsgespräch bei einer Genossenschaftsbank zu führen, um wichtige Anlageentscheidungen auf möglichst informierter Grundlage treffen zu können. Wichtig ist es, auch bei schwankenden Kursen grundlegende Anlageprinzipien zu beachten. Hierzu zählt insbesondere auch eine ausgewogene, breit gestreute Geldanlage anstelle einer Konzentration auf einzelne Werte.